BNN Freitag, 02.11.2018: „Wir verstehen uns super“

Projekt im Augustinusheim mit deutschen und türkischen Jugendlichen

„Wir verstehen uns super“

**Ettlingen** (pk). Deutschland und die Türkei – das ist derzeit eine oftmals wenig harmonische Beziehung, die von einer teilweise harten Rhetorik der Politiker geprägt ist. Doch die Namen Merkel oder Erdogan spielen an dem Tag in der Schreinerei des St. Augustinusheims in Ettlingen überhaupt keine Rolle: Harmonisch und mit bester Laune stehen deutsche und türkische Jugendliche zusammen an der Säge, arbeiten akribisch und scherzen miteinander. Die andere gemischte Truppe ist derweil in der Malerwerkstatt zu Gange – und hat ebenso Spaß an der gemeinsamen Arbeit!

Wie einfach und schön das Miteinander zwischen verschiedenen Kulturen sein kann, zeigt das Unesco-Projekt „Lernzirkel in der beruflichen Bildung“, welches nach 2017 diese Woche zum zweiten Mal im St. Augustinusheim auf dem Hellberg läuft. Sechs türkische Berufsschüler von der Partnerschule in Can (Nordwesttürkei) sind noch bis Sonntag mit ihrem Rektor Yücel Dogan zu Gast in Ettlingen. Gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen tauschen sie sich in praxisorientierten Workshops aus und lernen nebenbei die Kultur des jeweils anderen kennen. „Trotz der angespannten Lage der beiden Länder sollte man immer im Dialog bleiben. So ein Projekt zwischen jungen Menschen trägt viel zu diesem Verständnis bei“, ist sich Klaus Schwarz, Leiter der beruflichen Ausbildung im Augustinusheim sicher.
„Wir verstehen uns wirklich super. Über Englisch kann man ganz gut miteinander reden“, sagt Erik (18 Jahre), der eine Schreinerausbildung macht. „Es ist ein Gefühl, wie wenn wir uns schon ewig kennen würden“, pflichtet Ali (15) bei. Und die türkischen Schüler konnten bereits so einiges Neues erfahren. „Der Verkehr hier ist ganz anders, da sich die Leute auch an die Regeln halten“, ist Zeynep (15) verblüfft und Arzu (16) hat es die „schöne, gepflegte Umgebung“ angetan. Im Gegenzug lernen die deutschen Auszubildenden auch ihre Gäste und deren Kultur besser kennen.
„Wir haben ein volles Programm in den nächsten Tagen“, verrät Unesco-Koordinator Ersin Özdemir. Eine Stadttour durch Ettlingen sei ebenso geplant wie ein Besuch im Europa-Park. „Außerdem wird noch gemeinsam türkisch gekocht und zwar nicht nur Döner oder Yufka.“ Sowohl Klaus Schwarz und Özdemir als auch Rektor Dogan sind sich einig, wie wertvoll der Austausch für beide Seiten ist. „Wir können die üblichen Vorurteile Stück für Stück abbauen“, sagen sie. Aus dem Vorjahresprojekt seien außerdem Freundschaften entstanden, die noch immer bestünden.
Und kann man denn auch etwas vom anderen lernen? „Auf jeden Fall die Disziplin der Deutschen“, meint Zeynep. Denen würde die orientalische Lebenseinstellung hin und wieder nicht schaden. „Von der Gastfreundschaft der Türken können wir uns noch einiges abschauen“, meint Klaus Schwarz. Gelegenheit dazu haben die deutschen Azubi im kommenden Frühjahr – dann geht es zum Gegenbesuch in die Türkei.
Vorurteile konnten abgebaut werden
DEUTSCH-TÜRKISCHE BEGEGNUNG stand im Ettlinger Augustinusheim an. Gemeinsam wurde in den Werkstätten gearbeitet und für den Fotografen dann posiert.  Foto: pk

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