2. Pädagogisch Konzeptionelles

2.1 Allgemeines

In allen Bereichen der Einrichtung wird auf der Grundlage obengenannter Handlungsmaximen und der Leitlinien des St. Augustinusheimes mit allen Jugendlichen nach den gleichen pädagogischen Prinzipien und Methoden gearbeitet.
Einer bereichsübergreifend einheitlichen pädagogischen Linie, einer einheitlichen pädagogischen Grundhaltung und einer engen Zusammenarbeit zwischen allen Bereichen der Einrichtung wird hohe Bedeutung beigemessen.

2.2 Vernetzung

Die enge Zusammenarbeit zwischen den Fachkräften im Erziehungsbereich, den Lehrenden der St. Augustinusschule und den Ausbildenden in den Ausbildungswerkstätten ist für die Umsetzung einer einheitlichen pädagogischen Konzeption unerlässlich und wird fortlaufend weiterentwickelt.

Der fachliche Austausch zwischen den Bereichen ist gewährleistet durch:

  • Enge Zusammenarbeit auf Bereichsleiterebene (Erziehungsleitungen, Schulleitung, Ausbildungsleitung)
  • Kultur der kurzen, direkten Wege
  • Kultur der gemeinsamen Verantwortung
  • Täglich stattfindende Kurz-Besprechungen zwischen Gruppenpädagog(innen) und Lehrenden. Die Jugendlichen werden täglich morgens vom/von der Betreuer(in) in die Schule begleitet.
  • Die Lehrenden berichten regelmässig nach dem Schulunterricht in den Wohngruppen über den Verlauf des Schultages. Diese kurzen Rückmeldungen finden auch dann statt, wenn der Schultag positiv verlaufen ist.
  • Gemeinsame Einstufung von Jugendlichen in das Ampelkonto in Ausbildung und Schule erfolgt durch Ausbildende und Lehrende unter Beteiligung des Jugendlichen

2.3 Organisationshandbuch intern

Im internen Organisationshandbuch sind die einzelnen Konzeptionsbausteine und Prozessabläufe der Gesamteinrichtung beschrieben und festgelegt. In jedem Bereich und in jeder Gruppe ist das Organisationshandbuch jederzeit für alle MitarbeiterInnen einsehbar.
Das Organisationshandbuch wird regelmäßig weiterentwickelt und fortgeschrieben.

2.4 Positive Peer Culture

Methodische Grundlage der pädagogischen Arbeit Im St. Augustinusheim bildet der Ansatz der „Positive Peer Culture“. Zentraler Inhalt dieser Pädagogik ist die Erkenntnis, dass Jugendliche unabhängig von eigenen Störungsbildern und Auffälligkeiten in der Lage sind, andere Jugendliche dabei zu unterstützen, sich sozial weiter zu entwickeln, selbstbewusst zu werden, eigenverantwortlich und selbständig zu werden und sich sozial adäquat zu verhalten.

In dem Maße, in dem ein Jugendlicher einen anderen Jugendlichen in dessen Entwicklung fördert und unterstützt, entwickelt er sich selbst weiter.

Dieses Konzept ist in allen Bereichen der Einrichtung installiert. Es finden regelmäßige Peer Group Treffen nach VORRATH und BRENDTRO statt.

2.4.1 Peer Group Counseling (PGC)

PGC ist eine Bezeichnung für ein regelmäßig stattfindendes Treffen von Jugendlichen, begleitet durch eine(n) Betreuer(in), die/der das Treffen moderiert.

Ablauf des Treffens:

  1. Jedes Treffen beginnt damit, dass jeder Jugendliche ein aktuelles Problem benennt, das ihn gegenwärtig beschäftigt.
  2. In einem weiteren Schritt einigen sich alle Gruppenmitglieder anhand der Dringlichkeit der Probleme und der Motivation der einzelnen Jugendlichen einstimmig darüber, wer das Treffen bekommen soll.
  3. Im dritten Schritt, der den zeitlich größten Anteil des Treffens ausmacht, arbeitet die Gruppe intensiv an den Problemen und Verhaltenszielen des ausgewählten Jugendlichen. Sie versucht ihn zu verstehen und bei der Problembewältigung und Zielerreichung maximal zu unterstützen (Konfliktzyklus).
  4. Zuletzt fasst der/die Moderierende den inhaltlichen Verlauf der Sitzung und ihrer Ergebnisse, vor allem aber den Gruppenprozess, für alle Gruppenteilnehmer nachvollziehbar zusammen.

Die Dauer eines Treffens beträgt max. 90 Minuten.

Probleme können sein:

  • Uneinigkeiten zwischen den Peers
  • Probleme des einzelnen Jugendlichen mit Durchhalten in der Ausbildung und/oder in der Schule
  • Umgang mit der eigenen Aggression
  • Probleme mit der mangelnden Fähigkeit, sich durchzusetzen
  • Gerichtstermine
  • Besuchswochenende zuhause nicht gut bzw. zufriedenstellend verlaufen
  • Probleme mit der Freundin
  • Alkoholkonsum / Drogenkonsum

2.4.2 Was bewirkt Peer Group Counseling?

Die Jugendlichen machen in den Peer Group Treffen die folgenden Erfahrungen:

  1. Die Gruppe ist für mich da und unterstützt mich.
  2. Andere setzen sich für mich ein, ich bin anderen nicht egal.
  3. Andere Jugendliche haben ähnliche oder gleiche Probleme wie ich.
  4. Ich bin in der Lage, andere Jugendliche zu unterstützen.
  5. Es lohnt sich, mitzumachen.
  6. Ich kann gemeinsam mit anderen Jugendlichen Probleme in angemessener Art und Weise besprechen und lösen.
  7. Wenn ich mich für andere Jugendliche interessiere und mich um sie bemühe, tun die das ebenso für mich.

Dadurch, dass diese Treffen in der Peer Group wiederholt, dauerhaft und regelmäßig durchgeführt werden und die Jugendlichen die genannten Erfahrungen immer wieder machen können, steigert sich das Selbstwertgefühl und die soziale Kompetenz der Jugendlichen.

Die Jugendlichen lernen, selbständig zu denken. Sie entwickeln mit der Zeit ihr eigenes Wertesystem bzw. lernen, es zu verändern, zu formulieren und zu vermitteln.

Jedes Treffen ist zu vergleichen mit einem Training in sozialer Kompetenz. Die Jugendlichen lernen, Verantwortung für andere zu übernehmen, in dem sie z.B. lernen, auch eigene Bedürfnisse zu Gunsten eines anderen zurückstellen.

2.4.3 Umsetzung

Die Peer Group Treffen finden zu festen Zeiten wöchentlich jeweils einmal in den Gruppen, in der Schule und in den Ausbildungsbereichen statt.

2.4.4 Schulung der Mitarbeitenden

Den Mitarbeitenden in allen Bereichen werden gezielte Fortbildungsmaßnahmen angeboten, die die notwendige Qualifizierung zur Anwendung dieser pädagogischen Methode sicherstellen.

Die Peer Group Treffen werden mit den durchführenden Mitarbeitenden im Rahmen kollegialer Beratung regelmäßig reflektiert. Darüber hinaus werden die Mitarbeitenden bei der Umsetzung dieser Methode von Fachleuten begleitet, beraten und fortlaufend geschult.

2.5 Das Ampelkonto

Das Ampelkonto ist ein verhaltensorientiertes Bewertungssystem für die Jugendlichen des St. Augustinusheimes. Prosoziales, verantwortungsbewusstes und regelkonformes Verhalten wird durch Belohnung täglich verstärkt, während Jugendliche bei dissozialem und regelverletzendem Verhalten mit den Wirkungen ihres Verhaltens konfrontiert werden und das Verhalten sanktioniert wird.
Das Ampelkonto ist ein statusorientiertes System, indem es Jugendlichen, die sich prosozial und regelkonform verhalten, einen höheren Status innerhalb der Jugendlichengruppe einräumt. Diese Grundlagen sollen die Jugendlichen motivieren, ihr Verhalten hin zu sozialem Engagement und Verantwortungsübernahme für das eigene Verhalten zu verändern.
Das Ampelkonto schafft eine größtmögliche Transparenz der Bewertung für den Jugendlichen, der die Wertungen direkt im Anschluss an relevante Verhaltensweisen erhält und stets Einblick in den derzeitigen Stand seiner Bewertung und der daraus folgenden Konsequenzen und seines Status hat.
Das Ampelkonto fördert die dauerhafte Verhaltensveränderung des Jugendlichen, indem sich die Entwicklung des Status über den gesamten Zeitraum der Jugendhilfemaßnahme erstreckt und nur über eine langfristige dauerhafte und positive Entwicklung gewährleistet ist.

Funktionsweise

Die Phasen
Jeder Jugendliche ist seinem Status nach einer Phase zugeordnet. Neu aufgenommene Jugendliche befinden sich in der Phase I, letzte und abschließende Phase des Ampelkontos ist die Phase V. Jede Phase ist für den Jugendlichen mit bestimmten Aufgaben und Pflichten, sowie bestimmten Freiheiten verbunden. Welche Phase der Jugendliche innehat, ist abhängig von dem Punktestand auf seinem Ampelkonto.

Tägliche/ Wöchentliche Konsequenzen
Auf der Wohngruppe haben die täglich gebildeten Summen der gesammelten Punkte aus den Bereichen Schule/ Ausbildung und Wohngruppe Konsequenzen für die Freiheiten des Jugendlichen an diesem Tag.
Im Bereich der Schule und Ausbildung hat die wöchentliche Punktesumme zusätzlich entsprechende Konsequenzen innerhalb dieses Bereiches für den Jugendlichen.

2.6 Umgang mit Straftaten und Gewalt

Bei Anwendung oder Androhung von Gewalt durch Jugendliche muss der Jugendliche mit einer Anzeige rechnen. Es findet ein Täter – Opfer – Ausgleich statt. Es besteht darüber hinaus ein abgestuftes Sanktionssystem.

2.7 Umgang mit drogengefährdeten Jugendlichen

Einrichtungsintern besteht eine primär und sekundär präventiv wirksames Konzept zur Suchtprävention mit dem Ziel, Jugendliche, die Drogen konsumiert haben, künftig vom Konsum abzuhalten, und Jugendliche, die bisher keine Drogen konsumiert haben, zu stärken und davon abzuhalten, mit Drogenkonsum zu beginnen.
Das Konzept zur Suchtprävention ermöglicht, Drogenkonsum bei Jugendlichen frühzeitig durch Urinkontrollen zu erkennen und somit rechtzeitig reagieren zu können und professionelle Hilfen einzuleiten.
Ziel dieser Vereinbarung ist es, in Verbindung mit anderen Hilfestellungen (psychologische Beratung, sportlich orientierte Angebote, differenzierte Freizeitpädagogik) das St. Augustinusheim als drogenfreien Raum zu sichern und den jungen Menschen die Erfahrung zu vermitteln, dass Drogenkonsum verzichtbar ist und keinen Beitrag zu geglücktem Leben darstellt.


St. Augustinusheim
Schöllbronner Str. 78
76275 Ettlingen
Fon (0 72 43) 77 40-0
Fax (0 72 43) 77 40-90
info@augustinusheim.de

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