Peer Group Counselling

Ein wichtiger Baustein im pädagogischen Konzept im St.Augustinusheim

Neben den bereits fest installierten pädagogischen Maßnahmen zur Erreichung der angestrebten Ziele, wie die Entwicklung der sozialen Kompetenz, der Eigenverantwortlichkeit und des Selbstvertrauens der Jugendlichen soll das Instrument des Peer Group Counselling dazu beitragen, die Kultur unter den Jugendlichen positiv zu beeinflussen.
Ausgangspunkt dafür ist die Erkenntnis, daß Jugendliche sich gegenüber Gleichaltrigen eher verantwortlich fühlen, als gegenüber Erwachsenen, also daß sich letztendlich die Jugendlichen gegenseitig unterstützen, beraten (Counselling) und erziehen. Wir gehen davon aus, dass im Jugendalter die Beeinfussung sich mehr über Gleichaltrige (Peers) vollzieht als über Erwachsene. Innerhalb einer Gruppe (Group) liegen vielfältige soziale Ressourcen, die hier für den Erziehungsprozess genutzt werden sollen. Es sollen Situationen geschaffen werden, die die Jugendlichen herausfordern, sich gegenseitig im Hinblick auf die soziale Entwicklung zu fördern und zu unterstützen.

Nur wenn die Jugendlichen ihre Probleme selber erkennen, offen in der Gruppe darüber sprechen, ihre Zurückhaltung aufgeben und die Bereitschaft zeigen sich zum Positiven verändern zu wollen, ist es möglich auf positiv gemeinte Kritik eingehen zu können und damit dissoziale Verhaltensweisen abzubauen.
Diese Treffen der Jungen, die dreimal wöchentlich für jeweils 90Minuten in der Wohngruppe, der Schule und den Ausbildungsstätten durchgeführt werden, haben die sonst praktizierten Gruppenbesprechungen abgelöst.

Die Peer Group Counselling – Veranstaltungen zeichnen sich durch eine sehr konkrete Struktur aus, die für die Wirksamkeit der Methode von großer Bedeutung ist ist. Geführt werden diese Treffen durch einen Moderator (Erzieher). Hauptakteure sind allerdings die Jugendlichen, die versuchen ihre Erfahrungen bei der Lösung angesprochener Probleme einzubringen und durch diesen Denkprozeß selbst eine Weiterentwicklung erfahren.
Vertrauen und Offenheit sind dabei eine notwendige Voraussetzung. Ein wichtiges Ziel der regelmäßig stattfindenden Treffen besteht darin, daß die Jugendlichen ihre oft negativen Wertvorstellungen durch neue soziale Werte ersetzen, ihr Selbstwertgefühl zu stärken, und die Erfahrung machen, jemandem anderem tatsächlich helfen zu können.

Allen Mitarbeitern ist klar, dass wir in der Anwendung dieser Methode am Anfang stehen und noch viele Erfahrungen gesammelt werden müssen. Es gibt bisher nur sehr wenige Jugendhilfeeinrichtungen, die mit dieser Methode arbeiten.
Darum mußten wir dort genauer hinschauen, wo langjährige Erfahrungen mit diesem Konzept vorliegen und zugleich pädagogische Erfolge zu verzeichnen sind. Helfen sollte im Herbst 2002 eine Studienreise unseres Einrichtungsleiters Andreas Schrenk, in die USA, wo er u.a. Starr Commonwealth in Michigan besuchte. Starr Commonwealth ist eine Jugendhilfeeinrichtung, die sich um ähnliche Klientel kümmert wie das St. Augustinusheim.

Begeistert von der dort angewandten Methode kehrte er zurück, wohlwissend, dass die kulturellen, sozialpolitischen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen USA und Deutschland berücksichtigt werden müssen, um diese Methode effektiv einsetzen zu können. So wurde diese sehr komplexe Methode für unsere bundesrepublikanischen und insbesonders für die einrichtungsspezifischen Bedingungen im Rahmen von mehreren hausinternen Fortbildungsveranstaltungen verändert und modifiziert und im Frühjahr 2003 fanden die ersten Treffen statt.

Nachdem die Jugendlichen und die Erwachsenen einige Monate erste Erfahrungen mit der neuen Methode gemacht hatten, und mittlerweile entschieden war, dass Peer Group Counselling zum „Herzstück“ der Hauskonzeption werden soll, wurde eine Mitarbeiterin aus dem Starr Commonwealth ins St. Augustinusheim eingeladen, um mit ihren Erfahrungen hier die Kenntnisse der MitarbeiterInnen im Hinblick auf Peer Group Counselling anzureichern.

Carolyn Amos besuchte während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes alle stattfindenden Treffen und es wurden in allen Bereichen der Einrichtung Konferenzen durchgeführt, um unsere Kenntnisse der Methode in Theorie und Praxis zu vertiefen. Wie sich im Laufe des 14-tägigen Engagements unserer amerikanischen Kollegin herausstellte, war ihre Hilfe von nahezu unschätzbarem Wert. Alle Mitarbeiter waren begeistert und nahmen die sehr praxisnahen Hinweise motiviert und sehr interessiert auf.

Für alle von uns war dies in konzeptioneller und qualitativer Hinsicht ein großer Schritt nach vorne. Carolyn Amos hat sich im St.Augustinusheim und in Ettlingen sehr wohl gefühlt und der Abschied fiel schwer.


Über weitere kooperative Maßnahmen der beiden Einrichtungen Starr Commonwealth und St. Augustinusheim wird nachgedacht, um die Weiterentwicklung des Peer Group Counselling zu gewährleisten.